Psychopharmaka

Ist Psychopharmaka bei Mutismus DIE Lösung?

Psychopharmaka bei Mutismus

Leider erleben wir in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme der Kinder, die Psychopharmaka zur Überwindung des Mutismus erhalten. Eine wissenschaftliche Untersuchung über die Wirksamkeit von Psychopharmaka bei Mutismus gibt es leider bis heute nicht.

Die Praxis Emmerling, lehnt solche Medikamentierung bei Mutismus ab.

Informationen zu Psychopharmaka – Off-Label-Praktika

Als am 26. Januar 2007 die EU-Verordnung über Kinderarzneimittel in Kraft trat, sollte die Grundlage für gesetzliche Regelungen geschaffen werden. Im Jahr 2017 forderte die EMA (Europäische Arzneimittelagentur) einen sogenannten pädiatrischen Prüfplan ein, um den Gebrauch von Medikamenten, die für Kinder nicht zugelassen sind, zu reduzieren (Off-Label-Anwendung).

https://www.kindernetzwerk.de/downloads/aktiv/2019/Off-Label_Kindernetzwerk.pdf

Rund 50% aller Medikamente für Neugeborene sind für diese Altersgruppe nicht zugelassen. Betroffen sind z.B. Antibiotika, Schmerzmittel, Hormone aber auch Psychopharmaka.

„Kinder haben in der Arzneimitteltherapie Nachteile, weil sie ungeprüfte Medikamente bekommen“, kritisiert Prof. Wolfgang Rascher vom Universitätsklinikum Erlangen.

Kinder sind keine kleine Erwachsene. Die am Erwachsenen erhobenen Werte und EffektePsychopharmaka Kinder Angststörung lassen sich nicht einfach mittels gewichts- oder körperoberflächenbezogener Dosisanpassung auf Neugeborene, Kinder und Jugendliche übertragen. Der kindliche Organismus ist in kontinuierlicher Entwicklung. Magen-Darm-Trakt und Niere reifen im Verlauf des ersten, die Lunge noch bis Ende des 2. Lebensjahres. Mit der Adoleszenz erst ist die Entwicklung des Zentralen Nervensystems abgeschlossen. Die Entgiftungskapazität der Leber wird im ersten Lebensjahr aufgebaut und entwickelt sich in danach weiter. Viele Funktionen die zum Abbau von Medikamenten dienen, ändern sich während der gesamten Kindheit und Adoleszenz.

https://www.bfarm.de/DE/Arzneimittel/Arzneimittelzulassung/Arzneimittel_fuer_Kinder/EU-Verordnung/_node.html

Informationen zu SSRI

Die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Antidepressiva. Sie werden unter anderem für die Behandlung von Depressionen, Panikerkrankungen, Zwangsstörungen und Angststörungen eingesetzt.

Serotonin ist ein Botenstoff, wirksam u.a. im Gehirn (Neurotransmitter). Es wird  auch als „Glückshormon“ bezeichnet, da es bei guter körperlicher und seelischer Verfassung vermehrt vorkommt, bzw. bei depressiver Verstimmung eine niedrigere Konzentration gemessen wird. Eine Steigerung des Serotoninspiegels führt zu Stimmungsaufhellung. Seine Wirkung entfaltet das Serotonin maßgeblich im synaptischen Spalt, also im Übergangsraum von Nervenzelle zu Nervenzelle.

Die Serotoninwiederaufnahmehemmer sollen verhindern, dass Serotonin aus dem SpaltMensch Mutismus Abhängigkeit Psychopharmaka wieder in die Zellen aufgenommen wird. Hierdurch wird der ursprüngliche Mangel nicht behoben. Eventuell fehlt dem Körper  dadurch sogar der Impuls Serotonin zu bilden.  Reduziert sich der Impuls und wird das Mittel abgesetzt, ist es denkbar, dass sich die psychische Verstimmung stärker zeigt. Daher ist die Behandlung mit SSRI meist auf längere Zeit ausgerichtet, denn, so schreibt das klinische Wörterbuch Pschyrembel zu SSRI: „Wirkungseintritt erst nach mehreren Wochen.“

Informationen zu Fluoxetin

blank1975 wurde dem Pharmakonzern Lilly ein Patent für Fluoxetin erteilt. Es wurde 1988  in den USA unter dem Handelsnamen Prozac (in Deutschland 1990 als „Fluctin“) in den Markt eingeführt wurde.

Der Wirkstoff Fluoxetin ist in allen Ländern der Europäischen Union  verschreibungspflichtig. Die Europäische Union hat die Verschreibung für Kinder ab 8 Jahren zugelassen, allerdings mit dem Hinweis, dass Fluoxetin  bei Kindern unter acht Jahren nicht indiziert ist.

Für Informationen über das  Absetzungssyndrom von Psychopharmaka rufen Sie bitte die Seite www.adfd.org auf.

EMA (vormals EMEA) warnt vor SSRI/NaRI bei Kinder und Jugendlichen

EMA, die europäische Zulassungsbehörde  für Medikamente (European Medicines Agency), hat die Bewertung zu Antidepressiva aus der Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme Inhibitoren (kurz SSRI) und der Noradrenalin-Wiederaufnahme Inhibitoren (kurz NaRI) abgeschlossen.

Die EMA empfiehlt den Zulassungsbehörden der Mitgliedsländer stärkere und deutlichere Warnhinweise beim Einsatz dieser Medikamente bei Kinder und Jugendlichen zu veranlassen.

EMA empfiehlt jetzt, dass detailliert auf das mögliche Risiko von Suizidversuchen (Selbstmordversuche) oder -gedanken und/oder feindlichem Verhalten (Aggression, oppositionelles Verhalten oder Wut) hingewiesen wird. Die deutschen Fachinformationen geben  derzeit den Hinweis, dass der Einsatz, mangels klinischer Erfahrungen, unterbleiben sollte. Die Hinweise sollen in den Fachinformationen zu Medikamenten mit den Wirkstoffen Italopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Mianserin, Milnacipran, Mirtazapin, Paroxetin, Reboxetin, Sertralin und Venlafaxine erscheinen. 

Inzwischen finden Sie folgenden Warnhinweis auf dem Beipackzettel von Fluoxetin

Bei Kindern über acht Jahren  ist es bei mittelschweren bis schweren Episoden einer Major Depression (ICD-10 F 33.0) zulässig, wenn die Depression auf eine Psychotherapie nach 4 – 6 Sitzungen nicht anspricht. Antidepressiva sollten einem Kind oder Jugendlichen mit mittelschwerer bis schwerer Depression nur in Kombination mit einer begleitenden Psychotherapie angeboten werden. 

Fluoxetin kann bei jungen Menschen zu suizidalem oder feindseligem Verhalten führen. Es gibt nur begrenzte Langzeitdaten zur Unbedenklichkeit bei jungen Menschen dieser Altersgruppe in Bezug auf Wachstum und psychische Entwicklung. Die Indikation Zwangsstörung musste, aufgrund der Nebenwirkungen, zurückgenommen werden und wird heute als „bedenklich“ eingestuft.

Die EMA hat die Zulassung von Fluoxetin auf drei Diagnosen abgestellt:

Mutismus, ob selektiver oder totaler, wird in der Zulassung nicht genannt. Dies bedeutet, dass Fluoxetin bei Mutismus (ICD-10 F94.0) nicht verschrieben werden soll.

Ausgabe „Die Zeit“ vom 14.06.2017 mit der Überschrift „Warum sind die meisten Studien falsch, Herr Ioannidis?“

Der Medizinstatistiker ist der größte Kritiker halbgarer Forschung. Ein Auszug:

„Sein Urteil fiel vernichtend aus: Inflationär würden unnötige, irreführende und einander widersprechende Analysen gefertigt. In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl verfünfundzwanzigfacht. So fanden die Autoren 21 Metastudien zur Frage ob Statine helfen, gewisse Herzrhythmusstörungen nach einer Operation zu vermeiden, und 185 Metastudien über Antidepressiva. Unter zwei Dritteln der Studien standen als Autoren Mitarbeiter von Pharmafirmen.

FDA (The Food and Drug Administration) – USA

FDA macht auf die Fallberichte über die Suizidalität bei Kindern (Selbstmordgefährdung oder Gedanken an Selbstmord), die mit Antidepressiva wegen schwerer Depression behandelt werden, aufmerksam. Während Suizidalität bei Patienten mit schwerer Depression (Major Depression) nicht selten vorkommt, haben sich Fallberichte über Suizidalität bei Kindern unter SSRI im Vergleich zur Placebobehandlung in der gleichen Patientengruppe vermehrt.

Süddeutsche Zeitung vom 21. August 2008:

„Kinder als Versuchskaninchen“

Kind Mutismus nimmt Psychopharmaka… Arzneimittel müssen vor der Marktzulassung egal in welchem Land auch an Menschen getestet werden. Medikamente an Kindern zu testen, ist für die Pharmaindustrie allerdings noch relativ ungewohnt. Es ist noch nicht lange her, dass selbst Säuglinge wie Erwachsene behandelt wurden und nur weniger Wirkstoff verabreicht bekamen. Die Erkenntnis, dass Patienten im Baby-Alter mitunter ganz andere Medikamente benötigen, eröffnete den Pharmaherstellern einen neuen Markt, zwang sie aber auch zu Tests an Kindern. Weil sich aber in den Industrieländern kaum Eltern finden lassen, die bereit sind, ihre Kinder für solche Versuche zur Verfügung zu stellen, weichen die Konzerne in ärmere Länder aus….“

Literatur

„Neuro-/Psycchopharmaka im Kindes- und Jugendalter“ Borwin Bandelow/Aribert Rothenberger, Hogrefe Verlag

Inhalt: Viele Psychopharmaka werden bei Kindern und Jugendlichen auf der Basis ihrer Wirksamkeit bei Erwachsenen verordnet, da kontrollierte Wirksamkeitsstudien für die entsprechenden Altersgruppen nicht durchgeführt wurden. Das Handbuch stellt ein praxisorientiertes Nachschlagewerk für den kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich dar.

„Was ist bloß mit Mama los?“ Wenn Eltern in seelische Krisen geraten. Mit Kindern über Angst, Depression, Stress und Trauma sprechen. Mit einem Vorwort von Jesper Juul; Karen Glistrup, Kösel-Verlag

„Die Kinderkrankmacher“ Das Geschäft mit unseren Kindern; Beate Frenkel/Astrid Randerath; Herder-Verlag

„Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen“ Peter C. Goetzsche, Riva-Verlag

Filmempfehlung

Teller voller PsychopharmakaDas Pharmakartell (Originaltitel: Das Pharmakartell – Wie wir als Patienten betrogen werden) ist ein mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008 von Christian Esser und Astrid Randerath.

Der Film beleuchtet anhand zahlreicher Interviews mit Betroffenen wie Insidern aus Anti-Korruptionsbehörden, Pharmaindustrie und Medizin und durch investigative Recherchen die Produkte und Geschäftspraktiken der Pharmaindustrie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Pharmakartell

 

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