Wie alles begann – Sabines Mutismus

Spezialisierung auf selektiven Mutismus

Wie alles begann: vor über 20 Jahren wurde ein Mädchen angekündigt, welches mit seinen sechs Jahren noch nie außerhalb der Familie gesprochen hatte.
Die Eltern hatten Ihre Tochter Sabine bei vielen, verschiedenen Stellen und bei vielen Ärzten vorgestellt. Die Ärzte fanden, sie wäre sehr schüchtern, aber so seien halt Mädchen. EKG und EEG brachten keine Hinweise auf körperliche Störungen. HNO-Ärzte untersuchten Sabine und attestierten ihr ein normales Hörvermögen. Hörstummheit wurde also ausgeschlossen. Psychiatrische Untersuchungen ergaben eine normale Intelligenz.

Warum also sprach dieses Kind nicht?

Die Eltern hörten von unserer Praxis und riefen bei uns an. Sie vereinbarten einen Termin, in welchem wir uns von Ihnen und Ihrer Tochter ein Bild machen sollten.

Sabine, ein bildhübsches Mädchen mit langen blonden Haaren stand schweigend und starr im Raum, kaum dass sie sich setzen wollte und dann auch nur auf den Schoß einer vertrauten Person, der Mutter.

In dieser Situation war nicht daran zu denken, vor Sabine über Sabine zu sprechen, daher wurde mit den Eltern ein weiterer Termin ohne Sabine vereinbart.
Die Eltern öffneten Ihr Herz. Wir alle spürten die tiefe Verzweiflung und allzudeutlich auch die Frage nach dem „Wer trägt die Schuld an Sabine’s Verhalten?“
Nicht aus dem Wissen, sondern aus der Berührtheit heraus, entschlossen wir uns, dieses Kind zur Therapie anzunehmen.

Der Weg zur Diagnose

Was dann folgte war ein intensives Studium dieses Störbildes. Nachdem im deutschsprachigen Raum wenig fundierte Informationen zu finden waren, recherchierten wir auf verschiedenen Internetseiten von Universitäten und von Fachbibliotheken (amerikanischen, englischen, norwegischen, schweizerischen und auch deutschen). Dort wurden wir fündig: 

selektiver Mutismus.

Nicht Sprachschwierigkeiten begründen das Schweigen bei den meisten betroffenen Kindern, sondern ein komplexes psychisches System.

Sabines Verhalten beruhte auf Angst. Angst vor sozialen Kontakten und deren Anforderungen. Halt und Sicherheit fand sie bei den Eltern, die gleichzeitig aber immer tiefer in die Helferrolle eintauchten und damit handlungsunfähig wurden. Wäre ihr dieser sichere Hafen genommen worden, an wen hätte sie sich noch emotional wenden können, wer hätte sie aufgefangen?

Sabines weitere Entwicklung

Nach einer kurzen, sehr intensiven Therapiezeit überwand Sabine ihre Angst und begann zu kommunizieren.

Längst hat sie eine ganz normale Schulzeit (Grundschule, Realschule) durchlaufen und steht heute mit beiden Beinen im geschäftigen Leben. Hin und wieder schreiben die Eltern noch wie es Sabine geht, meist zu Weihnachten.

Trotz normaler Intelligenz rieten damals  Ärzte und andere Fachkräfte zur Einweisung in eine Einrichtung für geistig behinderte Kinder, was verhindert werden konnte.
Wir haben von Anfang an die Eltern und an Sabine geglaubt und uns der Herausforderung gestellt.

Wir danken Sabine, dass sie uns angestoßen hat, uns zu spezialisieren, uns mit unserem ganzem therapeutischen Wissen für diese oft verkannten Menschen und ihre innere Not einzusetzen.

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Wie alles begann Spezialisierung auf Mutismus Mädchen lächelt