Selektiver Mutismus – Elektiver Mutismus

Selektiver Mutismus definiert die (WHO)  in der ICD-10 (Stand 2016)  als eine psycho-soziale Phobie (Angst) mit Verhaltensbesonderheiten.

In der Gruppe F 94 (Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend) wird unter

F 94.0 selektiver Mutismus (vormals elektiver Mutismus)

geführt.

Der Mensch ist, um sich sozial integrieren zu können, auf Mitteilungen angewiesen. Erst Gedankenaustausch, Kommunikation ermöglichen das Zusammenwirken, das Zusammenleben einer Gemeinschaft. Das wichtigste und primäre Kommunikationsmittel ist dabei die Sprache. Um so tragischer ist der elektive Mutismus, der jetzt auch in Deutschland zunehmend selektiver Mutismus genannt wird.

Selektiver Mutismus ist eine psychisch begründete Verhaltens- und emotionale Störung und gehört zu den ungewöhnlichsten Störbildern und dies obwohl von ca. 400.000 Betroffenen in Deutschland gesprochen wird. Die Geschlechtsverteilung beträgt 2 w : 1 m. Beim selektiven Mutismus handelt es sich um eine psycho-soziale Phobie, um eine emotional bedingte Hemmung bzw. Angst vor sprachlicher Kommunikation. Diese Klassifizierung als psychische Störung zeigt auch den notwendigen Behandlungsansatz, nämlich Psychotherapie.  Mutismus ist gekennzeichnet durch selektives Sprechen mit bestimmten Personen oder in definierten Situationen.

Zwangsläufig entstehen so soziale Beeinträchtigungen. Über Jahre bestehend, hinterläßt dies unweigerlich Spuren in der Gesamtpersönlichkeit. Monatelanges, jahrelanges, konsequentes Schweigen erfordert zudem eine ungeheure psychische Energie, die auf Kosten anderer Bereiche, z.B. Lernen, gehen kann. Sprechen fällt auch als Mittel zum Wissenserwerb aus. So kann es auch, trotz gutem Potenzial, zu intellektuellen Defiziten kommen.

Verstummen ist eine Strategie zur Problemlösung – aber keine günstige Lösung.

selektiver Mutismus bei Kindern

Immer noch wird das Schweigen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter als trotziges Willkürverhalten missverstanden und in seiner Bedeutung für die gesamtpersonale Entwicklung unterschätzt, obwohl die psychosozialen Folgen einer mutistischen Symptomatik gravierend sein können:

 

Mögliche psychosoziale Folgen eines nicht überwundenen selektiven Mutismus

  • soziale Isolation
  • erschwerte Kindergartenzeit
  • Depressionen
  • Schulprobleme, Schulverweigerung
  • Verweis auf eine Förderschule oder
  • Schule für verhaltensauffällige Kinder
  • reduzierte Berufsperspektiven.

 

Weitere Informationen

über selektiven Mutismus, totalem Mutismus, weitere Formen des Mutismus und Ausschlußdiagnosen erhalten Sie auf der Homepage des Mutismus Beratungszentrums (MBZ) www.mutismus.net.