Selektiver Mutismus – Elektiver Mutismus

Selektiver Mutismus definiert die (WHO)  in der ICD-10 (Stand 2016)  als eine psycho-soziale Phobie (Angst) mit Verhaltensbesonderheiten.

In der Gruppe F 94 (Störungen sozialer Funktionen mit Beginn in der Kindheit und Jugend) wird unter

F 94.0 selektiver Mutismus (vormals elektiver Mutismus)

geführt.

Doch der Mensch ist, um sich sozial integrieren zu können, auf Mitteilungen angewiesen. Erst Gedankenaustausch, Kommunikation ermöglichen das Zusammenwirken, das Zusammenleben einer Gemeinschaft. Das wichtigste und primäre Kommunikationsmittel ist dabei die Sprache. Um so tragischer ist der elektive Mutismus, der jetzt auch in Deutschland zunehmend selektiver Mutismus genannt wird.

Obwohl selektiver Mutismus eine psychisch begründete Verhaltens- und emotionale Störung ist und zu den ungewöhnlichsten Störbildern zählt und dies obwohl von ca. 400.000 Betroffenen in Deutschland gesprochen wird. Die Geschlechtsverteilung beträgt 2 w : 1 m z.B. (z.B. Lebrun, 1990; Schoor, 1996; Dopp & Gillberg, 1997; Kumpulainen et al., 1998; Black & Uhde, 1995).

                       Die interne Statistik unserer Praxis zeigt, dass in den vergangenen 20 Jahren das Geschlechterverhältnis bei 2 w : 1 m (67.6 % Mädchen zu 32.4 % Jungens) lag. Die Statistik sagt aber auch, dass in den vergangenen 5 Jahren der Anteil der Jungen angestiegen ist.

Im Gegensatz zum Geschlechterverhältnis  bei Mutismus wird  Autismus, frühkindlicher Autismus, Asperger Syndrom oder ASS (jetzt Autismus-Spektrum-Störung) bei Jungen öfter diagnostiziert als bei Mädchen. 

Nur selten ist Schweigen Sprachlosigkeit sondern selektiver Mutismus

Zumal es sich beim selektiven Mutismus um eine emotional bedingte Hemmung bzw. Angst vor sprachlicher Kommunikation – fachlich als psycho-soziale Phobie – gesprochen wird. Diese Klassifizierung als psychische Störung zeigt auch den notwendigen Behandlungsansatz, nämlich Psychotherapie.  Mutismus ist gekennzeichnet durch  Sprechen  nur mit bestimmten Personen und/oder in definierten Situationen (selektiv – ausgewählt).

Folglich entstehen so soziale Beeinträchtigungen. Über Jahre bestehend, hinterläßt der selektive Mutismus unweigerlich Spuren in der Gesamtpersönlichkeit. Monatelanges, jahrelanges, konsequentes Schweigen erfordert zudem eine ungeheure psychische Energie, die auf Kosten anderer Bereiche, z.B. Lernen, gehen kann. Sprechen fällt auch als Mittel zum Wissenserwerb aus. So kann es auch, trotz gutem Potenzial, zu intellektuellen Defiziten kommen.

Verstummen ist eine Strategie zur Problemlösung – aber keine günstige Lösung.

Selektiver Mutismus bei Kindern

Anfangs wird das Schweigen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter häufig als trotziges Willkürverhalten missverstanden und in seiner Bedeutung für die gesamtpersonale Entwicklung unterschätzt, obwohl die psychosozialen Folgen einer mutistischen Symptomatik gravierend sein können:

 

Selektiver Mutismus – Mögliche psychosoziale Folgen

  • soziale Isolation
  • erschwerte Kindergartenzeit
  • Depressionen
  • Schulprobleme, Schulverweigerung
  • Verweis auf eine Förderschule oder
  • Schule für verhaltensauffällige Kinder
  • reduzierte Berufsperspektiven.

 

Selektiver Mutismus – Weitere Informationen

Zum selektiven Mutismus, totalem Mutismus, weitere Formen des Mutismus und Ausschlußdiagnosen erhalten Sie auf der Homepage des Mutismus Beratungszentrums (MBZ) www.mutismus.net.